Mittwoch, 03 Juni 2015 12:48

Respekt für das Denkmal: Garten von Helga Schütz

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Beobachten, hegen, Geschichte bewahren: Vor dreißig Jahren hat Helga Schütz in Potsdam ein Landhaus mit einem Garten aus den 1920er-Jahren übernommen – klassisch in seiner klaren Trennung zwischen naturnahem bewaldeten Teil und einem Steingarten direkt neben der Terrasse am Haus. Für die Schriftstellerin und Drehbuchautorin ist die denkmalgeschützte Anlage ein „Partner, der sich von Anfang an behauptete“.

Dass man sich nicht mehr bücken braucht, das passiert wohl nur in Stadtgärten“, sagt Helga Schütz. Womit sie nicht sagen will, dass sie unablässig arbeitet, zupft und schneidet, sobald sie draußen ist. Trotzdem: „Bekannte stellen sich immer nur vor, wie ich im Garten auf der Bank sitze, wie ich lese, hier und da gucke.“

1984 war ihr von der Stadt Potsdam das Landhaus des 1965 gestorbenen Physikochemikers Max Volmer angeboten worden. Zu der Zeit war die gelernte Gärtnerin, die, nach einem Jahr im Beruf, Dramaturgie an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg studierte, bereits seit 20 Jahren eine erfolgreiche, mit etlichen Literaturpreisen ausgezeichnete Drehbuchautorin. „Mit einem Wahnsinnsmut griff ich zu.“ Fünf Jahre hatte sie in „Berliner Beton, achter Stock“ gelebt, nun wollte sie wieder ins Grüne. Viele ihrer Bekannten hatten schon Datschen im Umkreis, sie suchte Ähnliches. Doch dann bot sich dieser Landhausgarten an, der sie lockte, obwohl sie „am ersten Tag in ihm nicht gejubelt hat“. Statt Liebe auf den ersten Blick stellte sich Respekt ein: „Von Anbeginn an war der Garten ein Partner, der sich behauptete.“ Ändern, umgraben, dem Ganzen einen eigenen Stempel aufdrücken? „Ich hätte nicht gewusst, wo ich eingreifen soll.“

Geschätzte zwei-, dreimal so hoch wie das Haus mit den karmesinroten Fensterflügeln ragen in ihrem Garten Kiefern, Eichen, Buchen, Birken empor. Er ist ein idealisiertes, hallenartig lichtes Stück Wald. Früher einmal ging er direkt in den Diana-Forst über. Doch dort wurde nach der Wende gebaut, und so ist er heute ein Relikt aus der Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts, als eine der herrschenden Gartentheorien Natürlichkeit forderte und das Pütschern, Blumen pflanzen, Steine aufsetzen in das Areal dicht am Haus beorderte. Hier der Mensch, dort die Natur. Klare Trennung.

Karl Foerster, der berühmte deutsche Staudenzüchter aus Potsdam-Bornim, soll den Garten mit Max Volmer entworfen haben. Beweise gibt es nicht. Nur Hinweise, wie den Steingarten neben der Terrasse am Haus, typisch für jene Jahre; man sieht Vergleichbares im foersterschen Garten in Bornim. „Immer wieder fragen Leute, ob es noch diese Alpenrose gebe, die sie von früher kennen, ob noch der Eisenhut blühe“, erzählt Helga Schütz. Lange habe es gedauert, bis sie sich mit dem Garten vertraut gemacht hatte, bis sie die Bäume kannte, die Rinden und die Farben. Irgendwann entdeckte sie die ersten zwei Stängel Knabenkraut im Moos vor ihrer Terrasse. Seitdem sichert sie jedes Jahr das Areal der Freilandorchideen. „Man kann Bestimmtes einfach geschehen lassen“, so die Schriftstellerin. Gutes Laub liegen lassen, schlechtes wegschaffen, Eibensämlinge aufziehen. Auch Azaleen auslichten: „Doch nicht jetzt, jetzt will ich lesen, morgen vielleicht.“

 

Autor: Elke von Radziewsky
Fotograf: Angela Franke

Gelesen 1698 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Juni 2015 14:23

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